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# Zwei Schulen. Zwei Welten. Und doch... #308
- URL: https://ameikos.ghost.io/308/
- Published: 2026-09-14T13:00:00.000Z
- Updated: 2026-09-20T19:57:51.000Z
- Description: Schulbeginn in Tirol. Und Schulbeginn in Kenia. Unterschiedlicher können Schulen nicht sein. Und trotzdem gibt es Gemeinsamkeiten.
- Author: Stefan Schranz
- Tags: Gesellschaft, Alle, Self_Team-Management, Technik_Digital_KI, Architektur_Design

Ende August hatte ich mit meiner Familie die Möglichkeit eine Schule in Kinondo, im Südosten von Kenia zu besuchen.   
Mitte September war Schulbeginn in Tirol. Die Volksschule in Fiss wurde neu gebaut. 

Die Eröffnung in Fiss und das "Kenia-Erlebnis" geben aus gesellschaftlicher Sicht Anlass ein paar Gedankensplitter auf´s Papier zu bringen und einige beeindruckende Fotos zu zeigen...

**Kinondo:** 500 Schüler/innen, rund 60 % muslimisch und 40 % christlich. Muslimische Mädchen tragen meist eine weiße Kopfbedeckung (Schul-Hijab). Viele Buben tragen eine Uniform. 

Wer sich die Schulkleidung nicht leisten kann, darf trotzdem am Unterricht teilnehmen. Dennoch kann sie zur Bildungshürde werden: Einer Untersuchung zufolge reduzieren Schuluniformen die Fehlzeiten um 43 %. Teilweise werden sie deshalb auch kostenlos ausgegeben. Ein scheinbar kleines Detail mit großer Wirkung auf Bildungschancen.

**Tirol:** Schuluniformen gibt es nicht – dafür mitunter so etwas wie einen informellen Markenkult.

Während bei uns in der Politik über ein Kopftuchverbot für Mädchen diskutiert wird, sollte meines Erachtens konsequentes Deutschlernen deutlich höhere Priorität haben. Das ist allerdings schwieriger umzusetzen und politisch weniger plakativ. Ein Kopftuchverbot liefert das stärkere Signal – ob es im Alltag tatsächlich viel verändert, ist eine andere Frage. Religiöse Regeln und Traditionen sind oft tief verankert und lassen sich durch ein Verbot eines Kleidungsstückes allein kaum auflösen.

Meine Haltung dazu ist relativ einfach: Fast alles sollte erlaubt sein – solange dadurch die Freiheit anderer und das Zusammenleben in der Gemeinschaft nicht eingeschränkt werden. Das Kopftuch eines 12jährigen Mädchens tut das nicht. Vorbestrafte Extremisten, die frei rumlaufen, schon. 

**Kinondo:** Die Fotos sprechen für sich.   
Ob man die *Class Rules* bei uns hier in dieser Klarheit anschreiben dürfte?   
Da bin ich mir nicht sicher...

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**Kinondo:** Nicht alle Klassen verfügen über Stühle und Tische. Politisches Versagen, Korruption und schwache Verwaltung spielen dabei eine Rolle. Bemerkenswert ist: Manche der politischen Eliten haben in London oder Paris studiert – eine funktionierende Schulverwaltung bringen *die Typen* allerdings nicht auf die Reihe. 

Gleichzeitig schreibt eine **Tiroler** Journalistin, dass bei uns die Eltern "auf kleine Stühle verdammt werden", wenn im Kindergarten ein Elternabend stattfindet und nicht ausreichend große Stühle vorhanden sind. Bei uns fehlen also auch Stühle. Nur ist in diesem Kontext der Mangel unserer Stühle kein Problem, der Jammer darüber darf jedoch als Anzeichen von Dekadenz verstanden werden.

**Kinondo:** Die Schulbücher scheinen mehrere Geschwister zu überleben. Digitale Werkzeuge gibt es in der Grundschule nicht. Vielleicht kein Schaden. Gute Bücher, auch wenn sie nach Jahren abgegriffen sind, hinterlassen Spuren – didaktisch oft nachhaltiger als flüchtige Bildschirmseiten, durch die man sich in Sekunden weiterwischt.

Noten sind in Kinondo kein Auslaufmodell. Die Besten werden aufs Podium gestellt und bekommen sichtbar Anerkennung. Leistung wird nicht versteckt, sondern gefeiert. Motivation auf Kenianisch sieht also anders aus. Weniger Diskussion darüber, ob Vergleiche verletzen könnten, mehr Stolz auf das Erreichte. 

Aber wer weiß schon, was besser ist? Vielleicht liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen: fördern, ohne kleinzumachen, Leistung anerkennen, ohne jene abzuwerten, die noch nicht vorne stehen. Denn im späteren Leben gilt für mich ohnehin, was ich auch in meinen Führungskräfte-Seminaren empfehle: **fördern, fordern, feiern.** Gut, wenn man mit dieser Haltung schon früh zumindest ansatzweise in Berührung kommt.

**Tirol – Fiss:** Die neue Volksschule „Fissikus“ ist ein *Landmark*. Technisch *State of the Art,* im Inneren wohnlich und warm – „nix Vollbeton“! Die Architektur zeigt, wie sich die traditionelle dörfliche Baukultur von Fiss in ein modernes öffentliches Gebäude übersetzen lässt – eigenständig, mutig und trotzdem tief mit dem Ort verbunden. Dieses Ensemble zu verstehen – seine Ästhetik, die Funktion und das, was es für ein Dorf ausdrückt – darf Teil von Schulbildung sein. 

Wenn das Dorf am Morgen erwacht und Schülerinnen und Schüler den *dörflichen Campus* mit Leben füllen, zeigt sich ein Luxus, der es wert ist, geschätzt zu werden – von uns allen, die das Glück haben, hier zu wohnen.

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Fissikus - Volksschule und Kindergarten in Fiss. (Darstellung durch KI vervollständigt).

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**Serfaus-Fiss-Ladis & Kinondo:** Zwei Rahmenbedingungen ähneln sich:

1. **Tourismus:** Kinondo liegt im Südosten Kenias, unweit des weltbekannten Diani Beach. Der Tourismus bietet dort interessante berufliche Chancen – vorausgesetzt, *die Locals* gestalten ihre Zukunft zunehmend selbst mit. Gute Schulbildung ist dafür eine der wichtigsten Grundlagen.
2. Die zweite Rahmenbedingung ist unabhängig von Ort und Zeit – egal, ob in Kenia oder **hierzulande**. Unsere Schüler sowie die etwas Älteren in **Afrika** und wir alle sind dem Sog der sozialen Medien und der **digitalen Verführungen** ausgesetzt. Konzentration, Fokus auf Erfolg – privat wie beruflich – und echte Erlebnisse bleiben auf der Strecke, wenn wir dem Algorithmen der Tech-Oligarchen auf den Leim gehen.

Mein Vorschlag dazu …

Am Abend unseres Schulbesuchs in Kenia lese ich in einer deutschen Onlinezeitung, dass eine Landespartei in Sachsen-Anhalt, die mit ihrer besonderen Bürgernähe Wahlwerbung macht, allen Ernstes die Schulpflicht abschaffen will. Eigentlich logisch, denn große Populisten brauchen ein dummes Volk.

Last but not least: Mein erstes Volksschuljahr war 1968 - damals im Gebäude, in dem jetzt das Gemeindeamt von Fiss beheimatet ist. Im Winter mussten wir in der Früh noch Feuer im Holzofen machen, damit die Klasse einigermaßen warm war. Meine Begeisterung für den Unterricht hatte allerdings Grenzen. Mathematik und Deutsch waren Doktrin. Zweiteres war nicht meine Leidenschaft. Deshalb wundert es mich selbst, dass ich heute manchmal ein paar Zeilen schreiben mag und einige Leserinnen und Leser von *Ameikos* Gefallen daran finden.

Ich danke Euch für Eure Zeit. Damals haben wir auch gelernt, dass man Euch, Eure, Du etc. groß schreibt. Ich behalte das bei. Nicht aus Gewohnheit, sondern aus Respekt.

![](https://storage.ghost.io/c/e1/27/e1271408-a53a-4435-9ecd-46136b30ed10/content/images/2026/09/___Stefan-Untrsf_blau_trans-5.png)

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