Neujahrsbrief 2024 von Stefan Schranz
Neujahrsbrief, der 10te.
2023 war gewissermaßen ein Sabbatical-Jahr für mich. Allerdings war das keine Auszeit mit Weltreise oder gar eine 365-Tages-Insichschau mit Selbstreflexion und so… Stattdessen hatte ich Arbeit auf dem Bau. Als Arbeiter und Bauleiter für die Sanierung und Renovierung meines 70-jahrealten Elternhauses bin ich für ein Jahr lang weitgehend ausgestiegen aus meinem gewohnten Berufsalltag. Das Bauprojekt ist abgeschlossen. Ich bin ziemlich fit aber müde, 61kg und zufrieden. Vier Monate intensive Planung und acht Monate Bau mit richtig dicken Steinmauern und bautechnischen Überraschungen. An manchen Tagen wußte ich beim Frühstück nicht, was sich bis Mittags ereignen wird. Aber sei´s drum. Alles ist unfallfrei und gut verlaufen und gelernt habe ich, dass „Einfachheit“ beim Bauen und in der nicht selten spontanen Entscheidungsfindung sowie in der Kommunikation mit den Bauarbeitern von großer Bedeutung ist.
Mein Wort des Jahres, das ich mit in das neue Jahr zu nehmen vorschlage, ist „Einfachheit“.
Einfachheit beim Bauen
Was macht man mit 60cm dicken Steinmauern, deren Steine mein Vater nach seinen Kriegsjahren, zurück in der Heimat, händisch am Berg gebrochen und Anfang der 50iger Jahre als unser Elternhaus verbaut hat? Drei Spezialisten empfahlen Dämmung, Dämmung, Dämmung. Der Architekt Gian Reto Reinalter aus dem Engadin hat mich vom Gegenteil überzeugt. Hat er doch Erfahrung mit seinem 1000jahrealten Steinhaus am Comer See. Und Florian Nagler, Zimmermann, Architekt in München und Professor, sagt über die übliche Bauweise der Außenwände, dass die Mauern „hochkomplexe Maschinen“ mit zahlreichen Schichten und großem Konfliktpotenzial sind. Er empfiehlt nach Möglichkeit sortenreinen Aufbau, wenig Schichten und sparsam mit Fensteröffnungen umzugehen.
Ähnlich „out of mainstream“ geht einfach bauen auch im Bereich der Heizungstechnik und der Smarthome-Steuerung sowie der Lichtinstallationen. Letztere sind ja nicht selten außen wie innen unangenehm penetrant und mit unzulänglicher Farbwiedergabequalität, wie unser Lichtplaner Franz Stark sagt.
Also: „einfach ist einfacher“. Und sehr oft ist einfacher auch nicht extrem teuer aber besser.
Und wenn du beim Planen bist:
1. Florian Nagler auf Youtube suchen und seine Erkenntnisse mit einfließen lassen.
2. Hol dir verschiedene Meinungen ein und entscheide am Ende selbst, wie du baust, wieviel an Technik du wirklich verwenden willst und welche Interieurs zu dir passen. Orientiere dich nicht am Mainstream oder an den Wohnmagazinen und hinterfrage auch die Empfehlungen der Experten.
3. Lass die letzten 10% des Interieurs wachsen, nachdem du eingezogen bist.
Einfachheit bei der Organisation deines Unternehmens oder deiner Projekte
Ich komme wieder, wie bei meinem letzten Neujahrsbrief, auf die modernen Management-Speaker zu sprechen, die immer öfter über alle nur möglichen Kanäle und Formate naive Unternehmens- und Erfolgsromantik versprühen. Sofern deren Inhalte überhaupt Substanz haben, muß man sich fragen, ob Show, ein paar Videos und große Sprüche reichen, um ein Unternehmen gründlich, kompakt und praxisorientiert zu organisieren. Ich rate die Organisation eines Unternehmens und der Mitarbeiter einfach und ohne bla-bla zu entwickeln.
Einhergehend mit dieser organisatorischen Einfachheit geht auch die Prozessqualität von Dienstleistungen im Allgemeinen und der Beratung im Speziellen. In beinahe allen Branchen, egal ob Tourismus, Bau(neben)gewerbe oder Handel, hat professionelle Beratung noch Optimierungspotenzial.
Beides funktioniert mit verhältnismäßig wenig Aufwand und in kurzer Zeit. Vielleicht sprechen wir im neuen Jahr darüber, wenn Bedarf für die Optimierung der Beratung oder der Services für deine Kunden oder Gäste besteht und die perfekten Onboardings für deine Mitarbeiter/innen einer der Neujahrsvorsätze sind.
Buchtipp dazu: „Konsequent einfach“
Das Buch von Dieter Brandes, ehemals langjähriger Geschäftsführer und Mitglied des Verwaltungsrates bei Aldi/Hofer, gibt Einblick in die Unternehmenskultur, die Struktur und Strategien der erfolgreichen Lebensmittelkette. Die Erstauflage des Buches war 1999. Deshalb hat es aber wenig an Bedeutung verloren, auch wenn seitdem sehr viel digitalisiert wurde und selbst ChatGPT, so sehr ich es mit Vorsicht anwende, keine gute Organisation hervorzaubern kann.
Über „Einfachheit“ im Design, im Web, in der Sprache … werde ich im Neujahrsbrief 2025 ein paar Zeilen schreiben. Wenn du eine eMail als Erinnerung dazu wünschst, melde dich hier dazu an > klick.
Einfachheit beim Essen
Wenn ich über gutes Essen in meinem Sinne ein paar Zeilen schreibe, liegt es möglicherweise an den Marketingslogans, die den puren Genuss versprechen – und folglich an meiner Erwartung, dass diese Versprechen auch eingelöst werden. Gut, wenn das gelingt. Allerdings braucht „Genuss“ auch Mindset und die Bereitschaft sich auf ein gustatives Erlebnis einzulassen. Sich Zeit zu nehmen. Geschmäcker auf sich wirken zu lassen. Gute Lebens-Mittel zu wertschätzen.
Ob das gelingt, wenn in einem Achtgangmenü bis zu 20 verschiedene Lebensmittel in den Mund gestopft werden, mag ich zu bezweifeln?
Erinnerst du dich an das Beste, was deine Mutter gekocht hat? Es war mit hoher Wahrscheinlichkeit das Gegenteil dessen, was die „Monstermenüs“ anbieten. Ich, auf jeden Fall, bin leidenschaftlicher Genießer des klassischen Dreigangmenüs, weil vom Einfachen das Beste einfach besser schmeckt.
Einfachheit in dem, was du tust
Egal, worüber man hinsichtlich „Einfachheit“ nachdenkt. Mit Sicherheit hast du in deinem Alltag auch viele Möglichkeiten zu vereinfachen – frei nach Lothar Seiwerts „simplify your life“ oder im Sinne der kleinen Marie Kondo aus Japan. Seiwerts Buch ist allerdings auch schon 20 Jahre alt. Aber gewissermaßen ein Grundlagenwerk der Vereinfachung.
Und einfach aber ausdrucksstark, wenn man zwischen die Zeilen hineinhört, ist auch Westernhagens „Wieder hier“.
Soll dieses „Wieder hier“, in welchem Zusammenhang auch immer, für dich im neuen Jahr vielleicht ein besonderes Ereignis ankündigen. Für mich ist es das Lied der Lieder zum Start von 2024.
Ich wünsche dir, deiner Familie und Freunden von Herzen alles Gute und ein gewissermaßen einfaches, zufriedenes und glückliches neues Jahr.
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So long – Servus, ciao und allegra. Bleibt neugierig und mach dein Ding.

