Nicht jammern. Selektiv gestalten! #B132
Handy, Social Media, KI – sind sie schuld an unserem digitalen Dauerrauschen? Wir entscheiden mit, was unsere Aufmerksamkeit bekommt. Drei einfache Fragen helfen Dir, wertvolle Inhalte zu finden, belangloses Scrollen zu beenden und mit Freude etwas zu verpassen. Weniger jammern. Bewusster wählen.
Früher war’s das Fernsehen, das unsere Gesellschaft vergiftet hat. Jetzt sind’s die sozialen Medien und die Handys, die die Menschen entmenschlichen. Die digitale Technik ist schuld, dass niemand mehr miteinander redet. Noch viel früher war’s anders, ob es besser war, mag ich bezweifeln, wenn ich die zeitungslesenden Männer im Zug auf der Fahrt in ihre Arbeit sehe. Und jetzt bringt die künstliche Intelligenz das Ganze zum Überlaufen, weil noch mehr Content in noch kürzerer Zeit in die digitalen Kanäle gespült wird.
"Schnell. Viel. Shit."
Wenn ich die Diskussionen und den kollektiven Jammer über diese Entwicklung beobachte, habe ich allerdings den Eindruck, dass wir durch diese Schuldzuweisung an die technische Entwicklung das Problem nicht lösen, wenngleich die Voraussetzung für eine Entgleisung dafür geschaffen wurde.
Es gibt für dieses Problem eine großartige Lösung:
WIR!
Es liegt an uns, was wir konsumieren, wie wir selektieren und wie viel Zeit wir am Computer sitzen oder in die Smartphones glotzen.
Ich darf dazu im Rahmen dieses ServiceTipps ein paar Gedanken aus meiner (leidenschaftlichen) Anwendungspraxis loswerden:
- Die Dauer der Onlinezeit soll nicht, wie vielfach empfohlen, auf eine bestimmte Zeit beschränkt werden. Bei Kindern und Jugendlichen mag das mitunter sinnvoll sein. Im Berufsleben ist eine selbstbestimmte Zeitvorgabe nicht zielführend, weil die beruflichen Anforderungen unterschiedlich sind. Gleichermaßen hängt der private Konsum der digitalen Medien von den Freizeitpräferenzen ab. So verursachen zum Beispiel Musik hören oder Literatur ungleich mehr Onlinezeit als aktive Sportarten, die ohne digitale Medien durchgeführt werden. Es kommt also darauf an, wer was tut. Was soll also die Statistik der Onlinezeiten auf dem Handy? Im Grunde wertlos und nicht aussagekräftig.
- Ein tagelanger Verzicht aller oder ein Verbot für die Jüngeren ist sehr wahrscheinlich kontra.
Erstens, weil als Folge daraus ein digitaler Jo-Jo-Effekt entstehen kann.
Und zweitens, weil immer mehr Alltagssituationen durch Handys und Smartwatches spontan, schneller und unkomplizierter erledigt werden können. Das beginnt beim Bankomaten oder beim Parken, wo Münzen und Parktickets Auslaufmodelle sind, und reicht bis zum schnellen Dialog mit ChatGPT, wenn man zum Beispiel beim Kochen oder vor einem Gespräch mit dem Bankberater schnell einen Tipp benötigt, für den keine lange Recherchezeit möglich ist. - Meine überzeichnete Aussage, die jedoch zur Regel in Sachen Digitalkonsum erhoben werden kann lautet: „99 % im Netz ist für deine Lebensqualität völlig irrelevant. 1 % ist für dich Gold.“ Wer die digitalen Medien richtig anwendet, wird dieses "Gold" finden. Wer nicht, hat Pech.
- Ich habe mir bereits vor Jahren einen Filter zurechtgelegt, an dem ich mich orientiere, um zu entscheiden, ob ich Medien im Allgemeinen oder Digitales im Speziellen verwende. Drei Fragen, die mir stets gute Entscheidungsorientierung bieten:
1. Erhalte ich eine gute Information?
Weiß ich danach mehr darüber, was mich wirklich interessiert?
Stichworte: Allgemeinwissen, Fach-Know-how …
2. Dient die Information meiner Karriere?
Trägt sie zu meiner beruflichen oder privaten Weiterentwicklung bei?
Stichworte: Erfolg in der Schule/Lehre/Studium, Karriere …
3. Unterhält mich das Digitale?
Von Abba über Netflix bis Zeitreisen gibt es großartige Unterhaltung im Internet.
Stichworte: Kunst, Humor, Musik, Inspiration, Motivation, gute Playlists …
Mein Filter zwingt mich ziemlich treffsicher zu entscheiden, ob ich konsequent passiv bleibe oder aktiv die digitalen Tool anwende.
Diesen Entscheidungen entspringt nicht selten die Freude, nicht überall dabei sein und nicht alles anschauen zu müssen. Also: JOMO, das heißt „Joy of Missing Out“, auf Deutsch „Freude am Verpassen“ bzw. „bewusste Freude am Nicht-Dabeisein“, am Verzicht und somit am Vergnügen, Zeit für „echtes Leben“ zu haben.
Das Gegenteil davon ist FOMO, das heißt „Fear of Missing Out“, auf Deutsch „Angst, etwas zu verpassen“.
Das bedeutet zusammenfassend: Nicht jammern. Gestalten! Nicht alles konsumieren, stattdessen fokussieren und selektieren.
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So long – Servus, ciao und allegra. Bleib neugierig – und mach dein Ding.
