Die Welt kippt. / The world is tipping. B142
Was, wenn die größte Gefahr für unsere Zukunft nicht von außen, sondern von unseren eigenen politischen Entscheidungen ausgeht? Eine Rede aus Davos liefert Denkanstöße, die jeder gehört haben sollte – bevor die nächsten Monate Geschichte schreiben.

Wir, und viele unserer Freunde, haben Kinder. Wir, sie und die Kinder unserer Kinder werden in einer Welt leben, die maßgeblich in den nächsten Monaten von geopolitischen Entscheidungen geprägt wird. In Anbetracht der Abkehr von einer regelbasierten Welt findet derzeit ein radikaler Wechsel hin zu einer gewaltbasierten Welt statt. Das heißt im Worst Case: Krieg.
Die zentralen Akteure sind bekannt. Die jüngsten Ereignisse waren jedoch vor nur einem Jahr nicht nur nicht bekannt, nein, es war unvorstellbar, dass eine derartige Entwicklung um sich greift und offensichtlich auch in unseren Reihen der Politiker und der Wähler mehr Anhänger findet, als eine kultivierte Welt im abendländischen Sinne aushält.
Nun, wir haben keinen Einfluss auf geopolitische Verwerfungen. Aber die Innenpolitik, die Wirkung auf die Geopolitik hat, können wir durch unsere Wahlen beeinflussen, um unsere Regierung zu beauftragen, dass „die Mächtigen“ nicht gesellschaftsverachtende Willkür zum Programm machen. Es liegt jetzt also an uns, nicht den Radikalen von rechts und den Radikalen von links auf den Leim zu gehen. Sie sind nur laut, antagonistisch, und sie haben keine nachhaltige Lösung parat. Punkt! Und nur weil der eine oder andere Vorschlag, den sie von sich geben, einen Lösungsansatz bietet, ist das bei Gott kein Argument, diese Leute in die Parlamente zu hieven.
Um diesen Kontext zu erläutern und eine realistische Chance auf eine lebenswerte Zukunft in Aussicht zu stellen, empfehle ich eindringlich, die Davos-Rede von Mark Carney – Premierminister von Kanada – anzuhören, weil wir vieles darin auch auf die Innenpolitik übertragen können und sich somit gestalten lässt, wie wir in Zukunft leben. Und, um konkret zu werden: Diese oder eben eine andere Zukunft kann in den nächsten Monaten bereits tägliches Leben sein.
Carney erklärte, die alte regelbasierte internationale Ordnung sei zerbrochen, nicht im Übergang.Carneys große Rede wird meines Erachtens die beste Rede 2026 gewesen sein, obwohl wir erst das Ende des ersten Monats 2026 schreiben. Ich wünschte mir, seine Rede wäre eine Pflichtstunde in den höheren Schulen, in den Unternehmen, an allen Stammtischen und vor allem auch bei Freunden, die den Radikalen etwas abgewinnen können. Aber ganz besonders in den Entscheidungsgremien unserer Regierungen. Dort ist diese Rede absolutes Pflichtfach!
Die ganze Rede von Carney, übersetzt durch KI, findest du unter der Suche „Carney Davos deutsch“ auf YouTube.
Wer wenig Zeit hat: Hier die meines Erachtens wichtigsten fünf Minuten. Sie sind abrufbar von Minute 8–10 sowie von Minute 15–18.
In Zehn Punkten – der Kern der Rede aus dem Video:
- Carney erklärte, dass die alte regelbasierte internationale Ordnung zusammengebrochen sei – nicht, dass sie sich lediglich im Übergang befinde.
- Er betonte, dass wir in einer „brutalen Realität“ intensiver Großmachtrivalität leben.
- Die Starken tun, was sie können, die Schwachen leiden – und Anpassung bietet keinen Schutz mehr.
- Carney forderte Ehrlichkeit über die Welt, so wie sie tatsächlich ist.
- Er richtete einen Appell an „Mittelmächte“ wie Kanada, gemeinsam zu handeln statt isoliert.
- Staaten sollten strategisch autonomer werden und Abhängigkeiten reduzieren.
- Werte wie Menschenrechte, Nachhaltigkeit und Souveränität müssten wieder die Grundlage bilden.
- Carney schlug flexible Koalitionen rund um gemeinsame Interessen vor.
- Die Botschaft ist klar: Nostalgie hilft nicht – Realismus und Kooperation schon.
- Seine Rede erhielt seltenen Applaus und wurde weithin als Weckruf verstanden.
UNSER FOKUS
- Carney anhören. Alle!
- Weitererzählen, darüber diskutieren.
- Die Chance für eine friedliche Welt wählen. Alle!
UNSER NUTZEN
Kein Krieg. Keine Überwachung bis in die Privaträume. Keine Angst auf der Straße. Stattdessen Freiheit. Überall. Im Denken. Im Tun. Freiheit, frei nach Immanuel Kant, die so weit reicht, wie sie die Freiheit der anderen nicht einschränkt.
Last but not least
Politik ist an sich kein primäres Thema in den ServiceTipps. In Anbetracht der Lage will und kann ich diese Situation nicht unerwähnt lassen, weil sie unsere und die Zukunft aller bestimmt.
So long – Servus, ciao und allegra. Bleibt neugierig und macht euer Ding.

We, and many of our friends, have children. We, they, and the children of our children will live in a world that will be decisively shaped in the coming months by geopolitical decisions. In light of the departure from a rules-based world order, we are currently witnessing a radical shift toward a world based on force. In the worst case, this means: war.
The central actors are known. Yet the recent events were not only unknown just a year ago—no, it was unimaginable that such a development would take hold and, quite evidently, find more supporters even among our politicians and voters than a cultivated world in the Western sense can bear.
Now, we have no influence over geopolitical upheavals. But we can influence domestic politics—which in turn affects geopolitics—through our votes, by mandating our governments to ensure that “the powerful” do not turn contempt for society into a political program. It is therefore up to us not to fall for the radicals on the right or the radicals on the left. They are merely loud, antagonistic, and they have no sustainable solutions to offer. Period. And just because one or another proposal they put forward may contain a possible approach to a solution is, by no means, an argument for lifting these people into parliaments.
To explain this context and to outline a realistic chance for a livable future, I strongly recommend listening to the Davos speech by Mark Carney—Prime Minister of Canada—because much of it can be applied to domestic politics as well, and thus help shape how we will live in the future. And to be very concrete: this future—or a different one—may already become everyday reality in the coming months.
In my view, Carney’s major speech will turn out to be the best speech of 2026, even though we are only at the end of the first month of 2026. I wish his speech were a mandatory lesson in upper secondary schools, in companies, at every regulars’ table, and especially among friends who find something appealing in radical positions. But above all, it should be compulsory in the decision-making bodies of our governments. There, this speech is an absolute must.
The full speech by Carney, translated by AI, can be found on YouTube by searching for “Carney Davos deutsch.”
For those with little time, here are what I consider the most important five minutes: from minute 8–10 and from minute 15–18.
In ten points—the core of the speech from the video:
- Carney stated that the old rules-based international order has collapsed, not that it is merely in transition.
- He emphasized that we are living in a “brutal reality” of intense great-power rivalry.
- The strong do what they can; the weak suffer—and compliance no longer offers protection.
- Carney called for honesty about the world as it really is.
- He appealed to “middle powers” such as Canada to act together rather than in isolation.
- Countries should become more strategically autonomous and reduce dependencies.
- Values such as human rights, sustainability, and sovereignty must once again form the foundation.
- Carney proposed flexible coalitions around shared interests.
- The message is clear: nostalgia does not help—realism and cooperation do.
- His speech received rare applause and was widely read as a wake-up call.
OUR FOCUS
- Listen to Carney. All of us.
- Share it, talk about it.
- Choose the chance for a peaceful world. All of us.
OUR BENEFIT
No war. No surveillance reaching into private spaces. No fear on the streets. Instead: freedom. Everywhere. In thinking. In action. Freedom—following Immanuel Kant—as far as it extends without infringing on the freedom of others.
Last but not least
Politics is not, in itself, a primary topic of the ServiceTips. Given the current situation, however, I want to—and must—not leave this unmentioned, because it determines our future and the future of everyone.
So long—servus, ciao, and allegra. Stay curious and do your thing.