Orte mit Seele und Stil / Places with Soul and Style #B71
Zwischen architektonischem Murks und zeitloser Qualität liegen Welten. Gute Gestaltung erkennt man nicht nur mit den Augen, sondern man spürt sie.

"Dieser Zustand des Alles-zugleich-haben-wollens-und-das-sofort bildet sich in der Landschaft ab: ungeplant, achtlos, verschwendend – eine Wegwerfarchitektur, die unsere Umgebung schlicht verunstaltet." So zu lesen in „Wo leben wir denn“ von Tarek Leitner (2015). Kurzum: Es gibt viel Murks in der Architektur, der weder schön ist noch Funktion und Innovation ernst nimmt.
Und dann gibt es die Ausnahmen. Großartige Häuser, Wohnungen und Gärten, Hotels und Restaurants, in denen man drei Stunden frühstückt, nicht zuletzt wegen des Interieurs. All das ist für das sensible Auge stets eine „Liebe auf den ersten Blick“.
So habe ich das im vergangenen Wochenende in Spielberg und in Wien erlebt. Im Steirerschlössl, Dietrich Mateschitz sei’s gedankt, wird die Eleganz des Jugendstils, die steirische Gastlichkeit mit subtilen Luxus zur Symbiose. Und im Guest House im Zentrum von Wien haben die Londoner Architekten unter Tim Bowder-Ridger in Zusammenarbeit mit Wiener Werkstätten einen Ort zum länger Bleiben realisiert. Hinzu kommt, dass für den Chef Manfred Stallmajer The Guesthouse ein Teil seiner Seele ist.

Fotoquelle: Steirerschlössl und The Guest House
Unser FOKUS HEUTE
- Wenn demnächst ein Bau ansteht – egal ob Firma oder privat – tut man gut daran, wenn wir nicht Alles-zugleich-haben-wollen-und-das-sofort. Also: länger planen und erst dann schneller und besser umsetzen.
- Wir googeln, chatten und reisen – alles Inspirationen zum Nulltarif.
- Wir beauftragen vor der Planung drei voneinander unabhängige Konzepte.
- Wir mischen uns ein, hinterfragen die Spezialisten und mixen unsere Anforderungen in die Vorschläge.
- Wir besuchen auf Instagram zwei großartig inspirierende Seiten:
@urlaubsarchitektur und @silent__living.
Unser NUTZEN
- Wir ersparen uns Husch-Wusch-Lösungen, wenn wir nicht unter Zeitdruck planen.
- Wir treffen bessere Entscheidungen, weil im Laufe der längeren Planungszeit immer wieder neue Optionen entstehen und alternative Perspektiven die Entscheidungsbasis bereichern.
- Wir beachten: Wenn wir falsch anfangen, können wir nicht richtig weitermachen.
TippCreator – Stefan Schranz … and one more thing …
Die Erfahrung aus eigenem Hause zeigt das solide Experiment mit einer anderen Belichtung der Fensterlaibungen, die Kombination von spanischen Fliesen und einem alten Stiegenhaus aus Holz sowie Raumteilung mittels Mailänder Glasdesign.

... und noch ein Gedanke dazu: Setze bis zum Einzug etwa 90 % der geplanten Maßnahmen um. Die verbleibenden 10 % kannst du beim Wohnen oder im laufenden Betrieb aus der praktischen Erfahrung heraus weiterentwickeln. Ich wette, dieses letzte Zehntel wird besser als ursprünglich geplant – und verbessert zugleich das gesamte Projekt.



"This condition of wanting to have everything at once—and immediately—manifests itself in the landscape: unplanned, careless, wasteful—a throwaway architecture that simply disfigures our environment."
This is what is written in "Where Do We Live, Anyway" by Tarek Leitner (2015). In short: There is a lot of mess in architecture that is neither beautiful nor takes function and innovation seriously.
And then there are the exceptions. Great houses, apartments, gardens, hotels, and restaurants where you can have breakfast for three hours, not least because of the interior design. All of this is, for the discerning eye, always "love at first sight."
I experienced this last weekend in Spielberg and Vienna. At the Steirerschlössl, thanks to Dietrich Mateschitz, the elegance of the Jugendstil, Styrian hospitality, and subtle luxury come together in a symbiosis. And at The Guesthouse in the center of Vienna, the London architects under Tim Bowder-Ridger, in collaboration with Wiener Werkstätten, have created a place for staying longer. Moreover, for the owner Manfred Stallmajer, The Guesthouse is a part of his soul.

Fotoquelle: Steirerschlössl und The Guest House
Our FOCUS TODAY
- When a construction project is coming up—whether for a company or privately—it’s a good idea not to want to have everything at once and immediately. In other words: plan longer, and only then execute faster and better.
- We Google, chat, and travel—all inspirations at no cost.
- We commission three independent concepts before planning.
- We get involved, question the specialists, and mix our requirements into the proposals.
- We visit two highly inspiring Instagram pages:
@urlaubsarchitektur and @silent__living.
Our BENEFIT
- We avoid rushed quick-fix solutions when we plan without time pressure.
- We make better decisions because, over the course of a longer planning period, new options arise, and alternative perspectives enrich the decision-making process.
- We note: If we start wrong, we can’t continue right—vice versa.
TippCreator – Stefan Schranz … and one more thing …
The experience from our own home shows the solid experiment of different lighting of the window reveals, the combination of Spanish tiles with an old wooden staircase, and the spatial division using Milanese glass design.

…and one more thought: Complete about 90% of what’s planned before moving in. The remaining 10% can be refined through practical experience while living in or operating the space. I bet that final tenth will turn out even better than originally planned – and enhance the entire project.
