Sound ist Teil der Serviceleistung / Sound is part of the service experience. #B146

Jetzt ist Hochsaison in den Tourismuszentren. Ein Grund zum Feiern – für Gäste genauso wie – gewissermaßen – für Gastgeber. Neben Sport und Kulinarik ist ein dritter Faktor entscheidend: die akustische Unterhaltung. Die jüngsten Leserbriefe in der Tiroler Tageszeitung zeigen deutlich, dass Beschallung zunehmend kritisch wahrgenommen wird. Nicht nur in öffentlichen Zonen, wo Dauerbeschallung grundsätzlich hinterfragt werden darf, sondern auch in Hotels, Restaurants und Shops, denn Sound prägt die Wahrnehmung der Dienstleistung.
Manchmal hat man den Eindruck, dass alles stimmig ist, die Beschallung zum Anlass passt und bewusst abgestimmt wird. Mir fällt das dann immer auf, weil ich mich an den Gastronomen Accursio Craparo in Sizilien erinnere, der uns in einer wunderbaren Unterhaltung verriet, dass er als Koch auf seinen Weltreisen im Osten und im Westen erfuhr,
„… dass Hintergrundmusik große Bedeutung beim Essen hat. … Keine Dissonanz zwischen den fünf Sinnen, kein Widerspruch zwischen Hören und Geschmack, zwischen dem Anblick und Geruch, nur harmonische Synthese.“
Sehr oft beobachte ich jedoch, dass die Professionalität der Gastgeber und die Erwartungshaltung von Seiten vieler Gäste eher im unteren Durchschnitt angesiedelt ist. Mir scheint, der falsche Krawall fällt nicht auf, man schluckt ihn nicht selten gleich unbedacht wie das Essen. Schade, denn das ist gewissermaßen eine Respektlosigkeit gegenüber der Küche, sofern sie ehrlich und gut ist, und gegenüber der Unternehmensführung, vorausgesetzt, sie legt vollumfänglich einen Fokus auf echte Servicequalität.
Nun, die Geschmäcker in Sachen Sound gehen natürlich auseinander. Das ist normal. Trotzdem gibt es Grundgedanken, die unabhängig vom Musikstil bedacht werden sollen:
- Gäste zählen. Die Stimmung, die aufgrund von Versprechen, Positionierung und Preis erwartet werden darf, soll akustisch unterstützt werden.
- Beschallung darf nicht nach den Vorlieben der Mitarbeiter erfolgen. Was intern motivierend wirkt, kann für Gäste irritierend oder störend sein.
- Playlists sind heute gestaltbar. Sie können vorbereitet, getestet und bereits jetzt von KI sinnvoll vorgeschlagen werden – ein klar formulierter Prompt, der Gästeprofil, Ort und Situation beschreibt, reicht oft aus.
- Der nächste digitale Entwicklungsschritt ist absehbar: KI-Agenten, die den Sound automatisch steuern – angepasst an Gästeaufkommen, Tages- und Saisonzeit, Wetter und vielleicht sogar an die von der Künstlichen Intelligenz wahrgenommene Stimmung in einem Raum. Das ist keine Vision mehr, sondern eine Frage der Zeit, wenn man die Entwicklung der letzten Wochen verfolgt – Stichwort: openClaw des Oberösterreichers Peter Steinberger, der mit seiner Homeoffice-Innovation derzeit die KI-Welt überrascht und auch eine von KI-Agenten gesteuerte Playlist abspielt.
- Und schließlich eine selten gestellte, aber wichtige Frage: Braucht es wirklich überall Beschallung? Gerade bei privaten wie öffentlichen Feiern und natürlich auch in der Gastro zeigt sich immer wieder, dass Gespräche, Nähe und Atmosphäre oft besser ohne akustische Dauerbeschallung funktionieren.
Ein paar reale Beobachtungen verdeutlichen, warum Sounddesign kein Nebenthema sein darf.
- Unlängst irgendwo in Tirol: ein Eislaufplatz am Abend, visuell großartig, stimmungsvolles Licht, Winteratmosphäre und viele Eisläufer. Aus den großen Lautsprechern dröhnen Weltnachrichten. Das Radio verkündete die Gräueltaten Putins, den Stumpfsinn, den Donald Trump tagtäglich verzapft, und Klimakrisen – das kommt richtig gut, um das großartige Ambiente gründlich zu vermurksen. Akustisch wird damit ein eigentlich starkes Erlebnis komplett entwertet. Schade.
- Ein weiteres Beispiel sind gesellschaftliche Feste, bei denen sich Bands als Mittelpunkt wichtig machen. Unsensibler Soundmix, zu hohe Lautstärke und dazu unpassende Witze zwischen den Songs. Gespräche an den Tischen werden permanent unterbrochen. Aus Begegnung wird Beschallung, aus Gastfreundschaft Selbstdarstellung.
- Und ja: Après-Ski ist eine eigene Welt. Dort gehört Partymusik dazu, dort funktioniert sie, weil Erwartung, Angebot und Kontext zusammenpassen. Die Betreiber verstehen ihr Entertainment-Business. Problematisch wird es erst, wenn dieses Konzept und die menschenerzeugten Nebengeräusche wahllos auf jede Ecke, jedes Lokal und jeden öffentlichen Raum übertragen wird.
Daraus können wir ableiten, dass Sounddesign bewusst entwickelt werden muss. In Anlehnung an die Positionierung des Unternehmens, an das Markenversprechen und an die Erwartung der Gäste. Parallel dazu gilt es, sich jetzt mit KI auseinanderzusetzen: nicht als Spielerei, sondern als Werkzeug, das künftig einen relevanten Teil dieser Aufgabe übernehmen kann. Wer heute experimentiert, versteht morgen besser, wie automatisierte Systeme sinnvoll eingesetzt werden können.
Unser Fokus
Welche Stimmung versprechen wir?
Was unterstützt Gespräche und Nähe?
Wo ist Stille ein Qualitätsmerkmal?
Unser Nutzen
Bewusste Beschallung stärkt Image und Kultur.
Sie erhöht Aufenthaltsqualität und Glaubwürdigkeit.
Sie reduziert Reibung, statt sie zu erzeugen.
Sie macht Haltung hörbar.
Also, liebe Leser aus den Reihen von Tourismus, Handel und Entertainment: Erlebnis beginnt auch im Ohr, und ich freu mich, dass wir uns wieder hören.
So long – Servus, ciao und allegra. Bleibt neugierig und macht euer Ding.


It is now peak season in the tourism centers. A reason to celebrate – for guests just as much as – in a way – for hosts. Alongside sport and cuisine, a third factor is decisive: acoustic entertainment. Recent letters to the editor in the Tiroler Tageszeitung clearly show that sound and background music are increasingly perceived critically. Not only in public spaces, where permanent sound exposure may rightfully be questioned, but also in hotels, restaurants, and shops, because sound shapes how a service is perceived.
Sometimes you get the impression that everything fits, that the sound matches the occasion and is deliberately coordinated. I always notice this because it reminds me of the Sicilian restaurateur Accursio Craparo, who once told us in a wonderful conversation that, during his travels as a chef in both East and West, he learned
“… that background music plays an important role when eating. … No dissonance between the five senses, no contradiction between hearing and taste, between sight and smell – only a harmonious synthesis.”
Very often, however, I observe that both the professionalism of hosts and the expectations of many guests tend to sit at a rather low average level. It seems to me that the wrong kind of noise often goes unnoticed; it is swallowed just as thoughtlessly as the food. A pity, because this is, in a way, a form of disrespect toward the kitchen – provided it is honest and good – and toward management, assuming it places a comprehensive focus on genuine service quality.
Now, tastes in sound naturally differ. That is normal. Still, there are fundamental ideas that should be considered regardless of musical style:
- Guests matter. The atmosphere that may be expected based on promise, positioning, and price should be acoustically supported.
- Sound should not follow the preferences of staff. What may be motivating internally can be irritating or disturbing for guests.
- Playlists are configurable today. They can be prepared, tested, and already meaningfully suggested by AI – a clearly formulated prompt describing guest profile, location, and situation is often sufficient.
- The next step in digital development is foreseeable: AI agents that automatically control sound – adapted to guest volume, time of day and season, weather, and perhaps even to the mood in a room as perceived by artificial intelligence. This is no longer a vision, but a question of time if one follows developments of recent weeks.
- And finally, a rarely asked but important question: Do we really need sound everywhere? Especially at private and public celebrations – and of course in gastronomy – it repeatedly becomes clear that conversation, closeness, and atmosphere often work better without permanent acoustic background noise.
A few real-life observations illustrate why sound design must not be treated as a side issue.
Recently somewhere in Tyrol: an ice-skating rink in the evening – visually impressive, atmospheric lighting, winter mood, many skaters. From the large loudspeakers, world news blares out. The radio reports on Putin’s atrocities, the nonsense Donald Trump produces daily, and climate crises – a perfect way to thoroughly ruin a great atmosphere. Acoustically, what could have been a strong experience is completely devalued. A shame.
Another example is social events where bands place themselves at the center of attention. Insensitive sound mixing, excessive volume, and inappropriate jokes between songs. Conversations at the tables are constantly interrupted. Encounters turn into noise, hospitality into self-promotion.
And yes: après-ski is its own world. Party music belongs there, it works there, because expectation, offer, and context align. Operators understand their entertainment business. The problem arises only when this concept is indiscriminately transferred to every corner, every venue, and every public space – regardless of whether it fits the situation or not.
From this we can conclude that sound design must be developed consciously – in line with the company’s positioning, its brand promise, and guest expectations. At the same time, it is important to engage with AI now: not as a gimmick, but as a tool that will take over a relevant part of this task in the future. Those who experiment today will better understand tomorrow how automated systems can be used meaningfully.
Our focus
What atmosphere do we promise?
What supports conversation and closeness?
Where is silence a mark of quality?
Our benefit
Conscious sound design strengthens image and culture.
It increases quality of stay and credibility.
It reduces friction instead of creating it.
It makes attitude audible.
So, dear readers from tourism, retail, and entertainment: experiences also begin in the ear – and I look forward to hearing from you again.

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